| Darmstädter Echo 02.2005 |
Aus Liebe zum vollen KornMit einem selbst gebackenen Brot fing vor etwa 30 Jahren alles an. Damals entdeckte Wolfgang Mock (58) aus Seligenstadt bei einem Freund seine Begeisterung für frisch gemahlenes Korn. Und den damals dürftigen Markt für Getreidemühlen. Es gab in Deutschland nur zwei Anbieter mit verbesserungswürdigen Produkten, sagt Mock. Deshalb baute er sich zunächst seine eigene Mühle, nach jahrelangem Tüfteln entwickelte und vermarktete der Naturkorn-Fan mit einem Partner erste Geräte für Privathaushalte. Der gelernte Psychologe Mock wurde zum Geschäftsmann, seit 2001 ist er geschäftsführender Gesellschafter der Komo GmbH im Otzberger Ortsteil Lengfeld. Bis zu 50 Mühlen in neun verschiedenen Modellen werden dort täglich zusammengebaut und zum Verkauf an Reformhäuser und Naturkostgeschäfte verschickt. Mit etwa 11 000 verkauften Mühlen und einem jährlichen Umsatz von rund 1,9 Millionen Euro bewege sich die Komo GmbH seit ihrer Gründung 2001 in einem stabilen Markt. Doch mit seiner früheren Firma Hawos Kornmühlen GmbH hat der Unternehmer auch schon turbulentere Zeiten erlebt. Nach Tschernobyl gab es Ende der achtziger Jahre einen regelrechten Boom bei Getreidemühlen. Damals nahm das Bewusstsein für Naturkost schlagartig zu. Doch die Zeiten der Lengfelder Alternativ-Firma, in der anfangs 17 Mitarbeiter, darunter Musiker, Pädagogen, Künstler und Chemiker die begehrten Mühlen aus ökologisch hochwertigem Material zusammenbauten, seien längst vorbei. Heute arbeiten hier Fachkräfte wie Drechsler, Industrie- und Bürokauffrauen, erläutert Mock. Acht Mitarbeiter sind bei der Komo GmbH angestellt, vier weitere arbeiten in der österreichischen Partnerfirma in Hopfgarten/Tirol, die Mocks Geschäftspartner Peter Koidl (44) leitet. Seit einem Jahr bildet das Unternehmen in Lengfeld eine Bürokauffrau aus. Im Lagerraum des rund 400 Quadratmeter großen Unternehmens im sanierten Gehöft nahe des Lengfelder Bahnhofs stapeln sich die Paletten mit Mahlsteinen, Gehäusen und Motoren. Nach der Geräteentwicklung und einer Testphase suchen wir für jedes Teil des neuen Produktes einen geeigneten Lieferanten. Aus den Komponenten bauen wir dann in Lengfeld die Mühlen zusammen. Jedes Gerät wird vor dem Versenden von uns getestet und erhält danach das GS-Siegel des TÜV-Produkt-Service, erklärt Mock. Etwa 30 Zentimeter ist eine fertige Mühle hoch, bei Material und Verarbeitung steht der ökologische Anspruch im Vordergrund. Die Gehäuse sind aus Buche und Ahorn, und wenn die Modelle Fidibus, Duett und Magic per Post verschickt werden, sind ihre hölzernen Gehäuse mit biologischen Pflanzenölen geschützt. Besonders stolz seien die Geschäftspartner auf die Duett, ein Kombigerät, das Mehl und auch Flocken für das Frühstück frisch zubereiten kann. Außerdem stelle das Unternehmen als einziges eine elektrische Flockenquetsche her. Eine dieser Floc Mans stehe im Sporthotel Zugbrücke Grenzau, wo deutsche Tischtennisprofis trainieren. Die Komo-Lieferanten sind weit verstreut: Die Motoren und Gehäuse kommen aus Österreich, im Westerwald werden die Mahlwerke hergestellt und die Kunststoffteile kommen aus der Umgebung. Im Ausland könnte Mock freilich billiger produzieren, doch das lehnt er ab. Weil dies zu Preisdumping und Arbeitsplatzverlusten führen würde und weil wir durch die Montage nahe am Produkt arbeiten und die Geräte so ständig weiterentwickeln. Mock bedauert die geringere Nachfrage an Getreidemühlen seit Mitte der neunziger Jahre in den Naturkostgeschäften. Das sei hausgemacht, so Mock: Mittlerweile gibt es auch im Bio-Laden Kühltruhen mit Fertigbackwaren und Fast Food. Das macht es natürlich schwerer für uns. Die Folgen für Mocks Unternehmen waren zunächst spürbar: Ende der neunziger Jahre ging der Umsatz auf rund 800 000 Euro zurück. Heute sei es kein Trend, sondern die bewusstere Einstellung der Kunden zu Lebensmitteln, die Komo bundesweit zu einem der Marktführer mache, sagt Mock. Wir haben keine kleine Zielgruppe mehr wie noch vor 20 Jahren. Mittlerweile achten Verbraucher aus allen Gesellschaftsschichten auf gesunde Ernährung. Kunden aus ganz Europa zählen zum Klientel der Komo GmbH, auch Aufträge nach Japan hat Mock schon abgewickelt. Durch ständige Entwicklung habe Komo Arbeitsschritte optimiert, so dass Mock, wie er sagt, seine zwischen 189 und 489 Euro teuren Geräte zu hundert Prozent billiger anbieten könne als noch vor ein paar Jahren. Um sich weiter auf dem Markt behaupten zu können, vertreibt Komo auch umfangreiches Zubehör und legt Wert auf schnellen, unkomplizierten Service. Die Mühlen sind so konstruiert, dass Kunden alle Ersatzteile bequem selbst austauschen können. Wer seine Liebe zum vollen Korn vertiefen will, erhält zudem von Mocks Mitarbeitern Infomaterial zu Vollwertkost, Kochkursen und Fortbildungen. |







